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Von der Logis­tik­halle zur digi­ta­len Betriebsplattform

Warum digi­tale Kon­nek­ti­vi­tät zum neuen Stan­dard für Logis­tik­im­mo­bi­lien wird.

Four Parx WiredScore Mach2

Four Parx Air­port in Drei­eich, eines der ers­ten WiredS­core zer­ti­fi­zier­ten Gebäude Deutschlands.

Autoren: Sebas­tian Kohts, Geschäfts­füh­rer bei WiredS­core und Sebas­tian Krä­mer, Head of Pro­ject Manage­ment | Mana­ging Direc­tor bei FOUR PARX

Der tech­no­lo­gi­sche Wan­del in der Logistikimmobilie

Tech­no­lo­gie ent­wi­ckelt sich heute schnel­ler, als Gebäude geplant wer­den. In kaum einem Seg­ment ist diese Lücke so sicht­bar wie bei Indus­trie- und Logis­tik­im­mo­bi­lien. Über viele Jahre haben sich die zen­tra­len Bewer­tungs­kri­te­rien kaum ver­än­dert: Lage, Andie­nung, Hal­len­höhe, Ram­pen, Boden­last, Stell­plätze und Erreich­bar­keit. Diese Kri­te­rien blei­ben wich­tig, rei­chen aber nicht mehr aus.

Denn viele Pro­zesse, die heute in einer Halle statt­fin­den, sind auf sta­bile digi­tale Infra­struk­tur ange­wie­sen. Das beginnt bei ein­fa­chen Hand­scan­nern und mobi­len End­ge­rä­ten. Es reicht über Warehouse-Manage­ment-Sys­teme, Cloud-Anwen­dun­gen und digi­tale Zugangs­kon­trolle bis hin zu auto­ma­ti­sier­ter Kenn­zei­chen­er­ken­nung, Tele­ma­tik, Robo­tik und daten­ba­sier­ter Verbrauchsmessung.

Damit ver­schiebt sich die Frage, die Eigen­tü­mer und Ent­wick­ler beant­wor­ten müs­sen. Es geht nicht mehr nur darum, ob eine Immo­bi­lie bau­lich funk­tio­niert. Es geht darum, ob sie den digi­ta­len Betrieb ihrer Nut­zer tra­gen kann.

Diese Ent­wick­lung ist der Grund, warum WiredS­core digi­tale Kon­nek­ti­vi­tät und tech­no­lo­gi­sche Bereit­schaft von Gebäu­den bewer­tet. Im Indus­trie- und Logis­tik­sek­tor ist der Bedarf beson­ders hoch, weil digi­tale Infra­struk­tur dort unmit­tel­bar in ope­ra­tive Leis­tung über­setzt wird.

Trendradar WiredScore Four Parx Statistiken

  Quel­len: WiredS­core & Ana­ly­tiqa, Erics­son Mobi­lity Report Press Release

Der stra­te­gi­sche Shift

  • Vom Stand­ort­vor­teil zum Infra­struk­tur­vor­teil: Lage bleibt Basis, Kon­nek­ti­vi­tät wird Differenzierung.
  • Vom Mie­ter­aus­bau­pro­blem zur Eigen­tü­mer­auf­gabe: Day-One-Con­nec­ti­vity redu­ziert Rei­bung in Ver­mie­tung und Betrieb.
  • Von Tech­nik­fea­tures zur Fähig­keit: Nicht jede Tech­no­lo­gie muss ein­ge­baut sein, aber die Immo­bi­lie muss auf neue Tech­no­lo­gien vor­be­rei­tet sein.
  • Von Nach­hal­tig­keits­am­bi­tion zu Steu­er­bar­keit: Ver­brauchs­da­ten, Smart Meter­ing und Ener­gie­inte­gra­tion brau­chen digi­tale Grundlagen.

Digi­tale Kon­nek­ti­vi­tät wird zur Vermietungschance

Wäh­rend der Pan­de­mie war die Nach­frage nach Indus­trie- und Logis­tik­flä­chen so hoch, dass viele Ein­hei­ten auch ohne beson­dere Dif­fe­ren­zie­rung ver­mie­tet wer­den konn­ten. Die­ses Umfeld hat sich ver­än­dert. Die Ver­mie­tungs­märkte sind selek­ti­ver gewor­den, Nut­zer prü­fen genauer, und die Anfor­de­run­gen an die Betriebs­fä­hig­keit einer Flä­che steigen.

Zuver­läs­sige Kon­nek­ti­vi­tät erwei­tert den Kreis poten­zi­el­ler Nut­zer. Ein Unter­neh­men, das auto­ma­ti­sierte Pro­zesse nutzt, mobile End­ge­räte ein­setzt oder seine Lager­pro­zesse cloud­ba­siert steu­ert, kann eine Flä­che ohne belast­bare digi­tale Infra­struk­tur nicht ohne wei­te­res akti­vie­ren. Für sol­che Nut­zer ist Kon­nek­ti­vi­tät kein Kom­fort­merk­mal. Sie ist eine Vor­aus­set­zung für den Betrieb.

Ein Bei­spiel ist der kabel­ge­bun­dene Inter­net­an­schluss, ins­be­son­dere die Ver­füg­bar­keits­ab­frage bei den Netz­be­trei­bern und die ent­spre­chen­den Kabel­tras­sen und Tech­nik­flä­chen. In vie­len Pro­jek­ten wird er erst orga­ni­siert, nach­dem ein Miet­ver­trag abge­schlos­sen ist. Das kann funk­tio­nie­ren, solange der Nut­zer Zeit hat. Es wird aber zum Risiko, wenn die Flä­che schnell pro­duk­tiv wer­den muss. Wer dem Nut­zer nicht zusi­chern kann, dass er ab Tag eins online ist, ver­schiebt ein tech­ni­sches Pro­blem in die Ver­mie­tung. Auch wenn der Mie­ter den end­gül­ti­gen Inter­net­ver­trag abschließt, Ver­mie­ter bzw. Pro­jekt­ent­wick­ler kön­nen die­sen Pro­zess durch geeig­nete infra­struk­tu­relle Maß­nah­men und pro­ak­ti­ves Han­deln ver­ein­fa­chen und beschleunigen.

Für Eigen­tü­mer liegt darin eine kon­krete Chance. Wer die digi­ta­len Grund­la­gen vorab klärt, redu­ziert Rei­bung im Ver­mie­tungs­pro­zess, beschleu­nigt die Inbe­trieb­nahme und ver­bes­sert die Aus­gangs­po­si­tion in der Nut­zer­an­spra­che. Gerade in einem Markt, in dem Miet­in­ter­es­sen­ten Alter­na­ti­ven ver­glei­chen, kann das den Unter­schied machen.

Trendradar WiredScore Four Parx These

Geschwin­dig­keit ist der neue Druck auf Gebäude

Gebäu­de­zy­klen und Tech­no­lo­gie­zy­klen lau­fen aus­ein­an­der. Immo­bi­lien wer­den für Jahr­zehnte geplant. Tech­no­lo­gien ver­än­dern Nut­zer­pro­zesse in weni­gen Jah­ren, teil­weise in Mona­ten. Das Tele­fon brauchte 73 Jahre bis 5% der deut­schen Haus­halte es nutz­ten, das Mobil­te­le­fon 9 Jahre, das World Wide Web 4 Jahre, Face­book 3 Jahre. Bei ChatGPT waren es gerade nur rund 4 Monate (Quelle: Inno­va­tion Insti­tut 2011 und CAIS Meinungsmonitor).

Für Logis­tik­im­mo­bi­lien ist diese Beschleu­ni­gung kein abs­trak­tes Inno­va­ti­ons­thema. Sie ent­schei­det dar­über, ob ein Gebäude in 5, 10 oder 15 Jah­ren noch mit Nut­zer­pro­zes­sen kom­pa­ti­bel ist. KI, IoT, auto­nome mobile Robo­ter, Cloud-basierte Warehouse-Manage­ment-Sys­teme und smarte Ener­gie­infra­struk­tur wer­den nicht auf einen Schlag kom­men. Sie wer­den Schritt für Schritt in den ope­ra­ti­ven All­tag ein­zie­hen. Somit gilt, wer heute nur für den aktu­el­len Nut­zer­be­darf plant, plant zu kurz.

Trendradar WiredScore Four Parx Statement Krämer

Das Pra­xis­bei­spiel: Four Parx Air­port in Dreieich

Vor die­sem Hin­ter­grund ist Four Parx Air­port in Drei­eich ein rele­van­tes Bei­spiel. Das Objekt in Drei­eich zählt zu den ers­ten WiredS­core zer­ti­fi­zier­ten Logis­tik­ge­bäu­den Deutsch­lands und hat die WiredS­core Pla­tin-Zer­ti­fi­zie­rung erhalten.

Four Parx WiredScore Dreieich innen

  Four Parx Air­port in Drei­eich, Innenaufnahme.

Das Pro­jekt liegt im süd­li­chen Rhein-Main-Gebiet, in Drei­eich, mit schnel­ler Anbin­dung an den Flug­ha­fen Frank­furt, die Cargo City Süd, die A5, die A3 und die B44. Die Nut­zung ist bewusst breit ange­legt: Logis­tik, Pro­duk­tion, Che­mie, Pharma, E‑Commerce, Lebens­mit­tel, Elektronik.

Die WiredS­core Zer­ti­fi­zie­rung des Objekts macht sicht­bar, wel­che digi­ta­len Grund­la­gen bereits vor­han­den sind und wo ein Gebäude wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den kann. Geprüft wurde unter anderem:

  • Inter­net­an­schluss: Glas­fa­ser ist mög­lich und bereits in Betrieb genom­men, meh­rere Inter­net Ser­vice Pro­vi­der sind ver­füg­bar, ein red­un­dan­ter Haus­an­schluss für aus­fall­si­che­res Inter­net ist vor­han­den, es gibt einen sepa­ra­ten Haus­an­schluss­raum und der Inter­net­an­schluss ist bereits in Betrieb.

  • Ser­ver­raum: Der Raum ist sepa­rat und exklu­siv sowie red­un­dant kli­ma­ti­siert, für den Fall, dass eins der Geräte ausfällt.

  • Kabel­wege: Die Kapa­zi­tät der Kabel­wege ist vor­han­den. Red­un­dante Kabel­wege sind nur teil­weise vor­han­den, kön­nen aber nach­ge­rüs­tet werden.

  • Ver­brauchs­mes­sung: Digi­tale Mes­sung für Ener­gie und Was­ser ist vor­han­den. Ein Ener­gie­ma­nage­ment­sys­tem ist aktu­ell nicht vor­han­den, wird aber in Abstim­mung mit dem zukünf­ti­gen Eigen­tü­mer des Objekts installiert.

  • Lade­sta­tio­nen: Lade­punkte sind vor­han­den und mit der PV-Anlage ver­bun­den. LKW-Lade­sta­tio­nen sind nicht aktu­ell vor­han­den. Die Strom­netz­an­bin­dung hätte aber zusätz­li­che Kapa­zi­tät, die hier­für genutzt wer­den könnte, sofern es ein Mie­ter fordert.
Trendradar WiredScore Four Parx Statement Kohts

Die Kon­se­quenz für Eigen­tü­mer und Entwickler

Für Eigen­tü­mer, Ent­wick­ler und Inves­to­ren erge­ben sich aus die­ser Ent­wick­lung fünf klare Handlungsfelder:

  1. Frü­her pla­nen – Digi­tale Infra­struk­tur gehört in die frühe Pro­jekt­pla­nung. Wer erst nach Miet­ver­trags­ab­schluss über Glas­fa­ser, Mobil­funk, Tech­nik­räume und Kabel­wege spricht, ver­schiebt Risi­ken in den Vermietungsprozess.

  2. Anschluss­fä­hig­keit vor Aus­stat­tung – Das Ziel ist nicht maxi­male Tech­no­lo­gie pro Qua­drat­me­ter. Das Ziel ist maxi­male optio­nale Nutz­bar­keit pro inves­tier­tem Euro.

  3. Digi­tale Kon­nek­ti­vi­tät ver­mark­ten – Wenn Nut­zer in weni­gen Wochen pro­duk­tiv wer­den wol­len, wird sofor­tige digi­tale Betriebs­be­reit­schaft zum Differenzierungsmerkmal.

  4. Zer­ti­fi­zie­rung zur Qua­li­täts­si­che­rung nut­zen – Eine Zer­ti­fi­zie­rung ist ein Ver­gleichs­maß­stab, eine Road­map und ein Instru­ment, um digi­tale Qua­li­tät im Markt glaub­wür­dig zu kommunizieren.

Zukunfts­fä­hige Logis­tik­im­mo­bi­lien müs­sen nicht jede Tech­no­lo­gie von mor­gen heute ein­ge­baut haben. Das wäre teuer, inef­fi­zi­ent und ange­sichts hete­ro­ge­ner Nut­zer­pro­file oft falsch. Sie müs­sen aber vor­be­rei­tet sein: auf mehr Daten, mehr Auto­ma­ti­sie­rung, mehr mobile Anwen­dun­gen, mehr Trans­pa­renz und schnel­lere Innovationszyklen.

Die Zukunft der Logis­tik­halle liegt des­halb nicht nur in Qua­drat­me­tern. Sie liegt in ihrer Fähig­keit, Betrieb mög­lich zu machen.